Ein Fest für die Isländersagas

Literaturfest

Die neu übersetzten Isländersagas wurden in inszenierten Lesungen von den Schauspielern Boris Aljinovic, Michael Altmann, Christian Berkel, Matthias Bundschuh, André Eisermann, Rosemarie Fendel, Marek Harloff, Fritzi Haberlandt, Matthias Habich, Corinna Harfouch, Felix von Manteuffel, Laura Maire, Andrea Sawatzki, Hans-Martin Stier, Anatole Taubman und Angela Winkler vorgestellt.. Die Besucher konnten sich auf insgesamt 21 Stunden Lesezeit freuen mit zwölf Sagas.

Begleitet wurden die Lesungen durch Musiker aus Island, Norwegen, Schweden und Deutschland wie dem Caput Ensemble oder Ólafur Arnalds, Bjarni Friman Bjarnason, Arve Henriksen und Arild Andersen, der Sängerin Anna Maria Frimur und Frank Köllges.

Literaturfest

Internationale Literaturkonferenz

Im Rahmen der internationalen Literaturkonferenz sprachen führende Skandinavisten und Sagaforscher aus Deutschland, Island, Dänemark, Schweden und Norwegen über die Kultur der Sagas, den historischen Kontext, die Rechtsordnung und die Skaldenkunst.

Die Isländersagas sind eine lebendige Literatur, denn sie leben in Werken zeitgenössischer isländischer und ausländischer Schriftsteller fort.  Sjón, Ulf Stolterfoht und Einar Kárason zeigten dies in ihren Lesungen.

Die Sagas in Corvey

Das Schloß und Kloster Corvey, eine frühe karolingische Gründung aus dem 9. Jahrhundert, ist untrennbar mit der Ausdehnung des christlichen Einflußbereiches nach Nordeuropa und damit dem Zeit- und Handlungsraum der Isländersagas verbunden. Der Corveyer Mönch Ansgar, ‹Apostel des Nordens›, wurde von Ludwig dem Frommen mit der Christianisierung Dänemarks und Schwedens beauftragt, der erste isländische Bischof Ísleif erhielt seine Ausbildung im benachbarten Herford, Quellen belegen auch einen Aufenthalt in Corvey.

‹Präsentation der Neuübersetzung in Schloss Corvey

Ausverkaufter Saal beim Fest für die Isländersagas

Höxter. 21 Stunden Lesungen, umrahmt von Reden, einem international besetzten Übersetzer-Forum und Musik. Das viertägige Fest für die Isländersagas in Schloss Corvey lockt Besucher nicht nur aus ganz Ostwestfalen-Lippe an. Sie kommen auch aus Großstädten wie Köln oder Hamburg in die ehemalige Reichsabtei im Weserbogen, von der aus der Norden Europas christianisiert wurde zu einer Zeit, als die Sagas auf Island entstanden.

Etwa 200 Gäste versammelten sich zur Eröffnung des opulenten Festes, mit dem die Neuerscheinung der Sagas gefeiert wird, im Corveyer Kaisersaal. Mit täglich rund 300 Besuchern, davon ein Drittel Abonnenten, ist das weitere Programm ausverkauft. Brigitte Labs-Ehlert, Leiterin des Literaturbüros Ostwestfalen-Lippe in Detmold, möchte die Veranstaltung auch verstanden wissen als ‹Verbeugung vor den Übersetzern und Herausgebern›.

Sie bezeichnete die im S. Fischer Verlag erschienene, von der Kunststiftung NRW geförderte neue Übersetzung als ‹längst fällige Wiedergutmachung› für den Missbrauch der Sagas im deutschsprachigen Raum, ihre Verfälschung im Interesse von Rassenwahn und Ideologie. Von ‹einem schönen Tag, einem großen Tag, einem Ehrentag› sprach der isländische Botschafter Gunnar S. Gunnarsson. Die in ihrer Form einzigartigen Sagas nannte er ‹unser Geschenk an die Welt›. Ihre modernen Aspekte sprächen heutige Leser oder Hörer an. Namhafte Künstler und Wissenschaftler tragen zur Gestaltung des Festes bei, das an diesem Samstag u.a. mit einer Rede des argentinischen Schriftstellers Alberto Manguel zum Thema ‹Reading the Njal’s Saga to Borges› fortgesetzt wird. Mit der Saga von Gunnlaug Schlangenzunge vermittelten Fritzi Haberlandt und Matthias Bundschuh am Eröffnungsabend einen lebendigen, anschaulichen Eindruck vom Reiz der überlieferten Erzählkunst. Dass es in Island ein beachtenswertes zeitgenössisches Musikschaffen und hervorragende Interpreten gibt, bewies das Ensemble Caput.

Ilias-Chor

Ministerin Schäfer gratuliert

In einem schriftlich übermittelten Grußwort gratuliert die nordrhein-westfälische Ministerin Ute Schäfer dem Literaturbüro und seiner Leiterin ‹sehr herzlich zu den mutigen Entscheidungen, mit denen Sie die kulturelle Landschaft hier in Ostwestfalen-Lippe prägen und bereichern›.

Wie die ‹Wege durch das Land› mache auch das Fest für die Isländersagas deutlich, ‹dass im ländlichen Raum Kultur auf sehr hohem Niveau stattfindet und ein Publikum findet›. Dieser Würdigung schließen wir uns an.›

Christine Longère, Neue Westfälische, 16. September 2011

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