Internationale Literaturbegegnung

Im dunklen Käfig dröhnt ein Drosselschlag *
Internationale Literaturbegegnung

‹Wer soll denn hierher finden›, fragte Jürgen Becker, als er mit seinen Büchern vorm Robert-Kopeke-Haus stand, bevor er später am Tag vor einem großen interessierten Publikum las. Der WDR mokierte sich noch einige weitere Jahre über Ostwestfalen-Lippe, das müsse ja beim ehemaligen Zonenrandgebiet liegen, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Mit den Internationalen Literaturbegegnungen kam der kleine Ort Schwalenberg auf die literarische Landkarte, über ihn hatten nicht nur der Lasker-Schüler-Freund Peter Hille geschrieben und Jürgen von der Wense, sondern hier wurde seit 1992 ein wenig Literaturgeschichte geschrieben. So verkehrt lag der WDR dann doch nicht mit seiner Betonung auf den Eisernen Vorhang, denn dieser Teil des Teutoburger Waldes war immer wieder Kriegsgebiet und Austragungsort religiöser und ideologischer Fehden, im Kalten Krieg lagerten auf und in den Hügeln Munition und Raketen. In den 1990er Jahren fanden sich internationale Schriftsteller, Musiker, Künstler, Philosophen zu oft brisanten politischen, nach wie vor aktuellen  Themen wie ‹Hereinbrechende Ränder Europas›, ›Der Die Das Fremde›, ‹Normalität, Trend, Anderssein› zusammen und lasen und diskutierten untereinander und mit den Besuchern bis in die Nacht. 2001 im Oktober trafen sich Künstler und Besucher in einer durchaus beklemmenden Literaturbegegnung zu ‹Vorurteil, Haß und Angst›.
Unbotmäßigkeit der Kunst, die versteckten Grenzbereiche, Übersetzungen und Neuaneignungen nahmen breiten Raum ein. ‹Dichtung ist ein Spiel, vielleicht ein tragisches Spiel – das wir mit einer Welt spielen, die ihr eigenes Spiel mit uns spielt.›
(Inger Christensen). Bei den Literaturbegegnungen trafen sich W.G. Sebald und sein Student Raoul Schrott, befreundeten sich Herta Müller und Inger Christensen, lernten sich Thomas Kling und Gennadji Ajgi,  Gennadji Ajgi und Friederike Mayröcker kennen, sagte der halbseitig gelähmte Tomas Tranströmer unverhofft ‹Guten Abend›, trat Imre Kertesz auf und stand Durs Grünbein mit Hermann Lenz auf der Bühne. John Berger brachte als Gastgeschenk den ‹Weißen Vogel› mit.

* Georg Trakl

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