Aktuelle Projekte

Via Nova Kunstfest Corvey 2021
„Die Erde ist ein Sänger. Odysseen“

27. August – 26. September 2021

Für die Ernennung zum UNESCO-Welterbe haben auch die einzigartigen Wandmalereien im karolingischen Westwerk des ehemaligen Benediktinerklosters entscheidend beigetragen. Eines der Motive zitiert eine Szenerie aus Homers Odyssee: Odysseus im Kampf mit der Skylla. Was macht der antike Odysseus in einer christlichen Kirche und wie kommt die Odyssee an den Weserstrand? Dieser Frage werden Schriftsteller und Schauspieler, Musiker und Wissenschaftler nachgehen. Geplant sind literarische Auftragsarbeiten, inszenierte Lesungen mit Musik, Theater, Tanz, Performance, Vorträge und Gespräche, Ausstellung, Führungen und eine Familienveranstaltung. Künstlerische Leitung: Brigitte Labs-Ehlert.

Eine Veranstaltung von Via Nova Corvey gGmbH.
www.schloss-corvey.de
Programmheft und Reservierung unter vianova@corvey.de

Schloß Corvey
Corvey 1
37671 Höxter

Veranstaltungen des


Schwalenberg

Zwischenland

‹Zwischenland› – das ist kein Grenzraum, sondern ein Begegnungs- und ein gemeinsamer Erfahrungsraum. Es sind Räume, die sich nicht von innen abschließen, sondern nach außen hin öffnen. Zwischenland bedeutet nicht Nationen, sondern Kombination. ‹Zwischenland› ist kein Festival, es möge ein Denk- und Begegnungsraum werden, der im Herbst mit einem Treffen von Künstlern vom Mare Baltikum und 2022 mit Mitgliedern von Sabir aus dem Mittelmeerraum fortgesetzt werden soll und in ein erstes gemeinsames Treffen der Künstler aus den 3 Sektionen münden kann.

Zwischenland im Lipperland
Forum Europäisches Alphabet der Wünsche

9. bis 11. Juli 2021
Burg Sternberg

Kuratorin: Brigitte Labs-Ehlert
Aus Lippe sind im 19. Jahrhundert Menschen aus geistiger und materieller Enge und Not, aber auch aus Verlangen nach dem Neuen und Anderen in die Fremde aufgebrochen, haben Kultur und Erfahrungen hin und her gebracht. Aus diesen Zufluchts-, Arbeits- und Sehnsuchtsländern kommen nun Autoren und Autorinnen nach Lippe: Die Schriftsteller sind gebeten worden, ein Mitbringsel aus ihrer Region mitzubringen: eine Idee, eine Erzählung, einen fremden alten Text, einen Gegenstand. Etwas, über das wir anderen in Europa Bescheid wissen sollten, etwas, das nicht verloren und vergessen werden darf, das nicht nivelliert werden darf, sondern wichtig für die vielen Kulturen, Sprachen, Gesten, Besonderheiten ist, aus denen Europa bestehen sollte. Es lesen und sprechen: Eugenijus Alisanka (Vilnius) Marica Bodrožić (Kroatien/Berlin), Sema Kaygusuz (Istanbul), Rasmus Nikolajsen und Julie Sten-Knudsen (Kopenhagen), Erik Lindner (Amsterdam), Ales Šteger (Ljubljana) mit ihren Übersetzern und Übersetzerinnen. Gerade weil Europa in der Krise ist, ist es wichtig zu fragen, was Europa ausmacht. Wie sieht das europäische Alphabet der Wünsche und Bedürftigkeiten aus? Die Lesungen werden mit Texten der Wanderarbeiter und Auswanderer kombiniert, gelesen von Saskia Mees und Bernt Hahn, und mit Konzerten von Kai Strobele, Perkussion, und Laima Jansone, Kokle, ergänzt. Moderation Nico Bleutge, Michael Braun

Gefördert und unterstützt von Land NRW, Kunststiftung NRW, Westfalen Weser Energie, Javna agencija za knjigo Republike Slovenije / Slovenian Book Agency und Slowenisches Kulturzentrum, Deutsche Stiftung Musikleben. Weitere Förderer sind willkommen.
In Zusammenarbeit mit der VHS Lippe-Ost

Zwischenland Baltikum

1. bis 3. Oktober 2021
Schwalenberg

Kuratorin Anna Eble
Während der Veranstaltung ‹Zwischenland Baltikum› soll erörtert werden, wie das Verhältnis der baltischen Staaten untereinander und zu Europa ist. Dazu laden wir Schriftsteller und ihre Übersetzer aus Litauen, Lettland und Estland ein. Wie begegnen sich die Sprachen und die Kulturen und bereichern sich? Welche Sprachen werden in welchen Ländern gesprochen? Gibt es eine (historische) verbindende Sprache wie das ‹Sabir“›der See- und Kaufleute im Mittelmeerraum? Das Baltische Meer ist schließlich wie das Mittelmeer ein Ort der Begegnung, der Austausch möglich macht: fließende Grenzen, die nicht sichtbar sind. Der Austausch, ein Wandern, hat immer auch am Festland stattgefunden – ist also in einer so beweglichen und transnationalen „Einheit“ wie dem Baltikum eine Zugehörigkeit basierend auf Nationalstaaten noch zeitgemäß? War sie es je? In der Literatur der baltischen Staaten nähern wir uns diesen Fragen an, diskutiert wird eine Zugehörigkeit, die nicht gegründet ist auf Herkunft, Religion, Sprache oder ethnischer Definition, sondern die individuell zustande kommt: im Schreiben und im Kontakt zu anderen Schreibenden.

Eingeladen sind: Kätlin Kaldmaa (Tallinn), Inga Žolude (Riga), Kārlis Vērdiņš (Riga), Inga Gaile (Riga), Alvydas Šlepikas (Vilnius), Laurynas Katkus (Vilnius). Moderatoren: Anna Eble, Klaus-Jürgen Liedtke, Rita Valiukonytė mit ihren Übersetzern und Übersetzerinnen.

Parole : Dante

9. bis 15. August 2021
Schwalenberg

Mit: Luigi Reitani, Alma Valazza, Theresia Prammer, Annette Kopetzki, Andreas Hiepko, Mathias Traxler, Maja Pflug, Franz Josef Czernin, Peter Waterhouse, Durs Grünbein, Sybille Lewitscharoff
Kuratoren des internationalen Projektes: Myrtha de Meo-Ehlert (Università Foggia und ACIT „Grimm“ Foggia (Associazione Culturale Italo-Tedesca), Felix Reinstadler (Versatorium Wien) und die Übersetzerin Anna Eble (Vorstand Europäisches Laboratorium e.V.)

‹Parole : Dante› nimmt den 700jährigen Todestag von Dante Alighieri zum Anlass, ein neues Übersetzungsprojekt in einer innovativen Art und Weise zu starten. Ausgangspunkt sind die „Parole di Dante“, die 2021 jeden Tag von der Accademia della Crusca veröffentlicht werden und die aus einem von Dante geprägten Ausdruck, einem prägnanten Auszug aus seinem Werk und einer kurzen Erläuterung bestehen. 25 dieser „Parole“ werden in zwei Phasen übersetzt: Zunächst in einem Arbeitsprozess, der digital stattfindet – mit Studierenden verschiedener Universitäten (Orientale Neapel und Foggia) in Italien und Deutschland (LMU München). Ein mehrtägiger Workshop findet in Schwalenberg statt. Eingeladen haben wir Luigi Reitani, Alma Valazza, Theresia Prammer, Annette Kopetzki, Andreas Hiepko, Mathias Traxler, Maja Pflug, die alle mitwirken möchten,
An ihm nehmen von jeder Universität 2 bis 4 Studierende teil, die sich um ein Stipendium bewerben,. Ziel ist, nicht die eine abschließende Version zu finden, sondern auch die eigenwilligen Varianten in den Übersetzungen vorzustellen und die poetischen Aneignungen, Verwandlungen und Auslegungen vorzustellen. Mit diesem Projekt werden zudem die Spuren Dantes, des sommo poeta, des größten aller Dichter, in der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart aufgezeigt. Franz Josef Czernin, Peter Waterhouse, Durs Grünbein, Sybille Lewitscharoff beteiligen sich an den Workshops. In einer öffentlichen festlichen Präsentation am 15. August 2021werden die entstandenen Übersetzungen vorgestellt und geben die beteiligten Schriftsteller Lesungen. Eine Wanderung zur Grevenburg ist geplant, dort entstand die erste Übersetzung von Dantes Vita nova.

Gefördert von Neustart Kultur (Deutscher Übersetzerfond)s der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Österreichisches Kulturforum, i-portunus, Goethe-Institut Neapel, Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport Österreich. Weitere Förderer sind willkommen. Schirmherrschaft: Deutsche Botschaft Rom und das Comitato Nazionale per le celebrazioni in memoria dei 700 anni dalla morte di Dante Alighieri

Das Staunen
Für die Kinder das Beste

Pinocchinello – Fest des Kinderbuchs

5. September 2021
Schwalenberg

Mit: Quint Buchholz, Katrin Engelking, Jens Harder, Annette Huber, Anna Marshall, Antje von Stemm, Trickmisch – das Mobile Sprachlabor, Einar Turkowski, Sabine Wilharm, Christine Wolf, Lena Winkel
Kuratoren: inhaltlich und organisatorisch ist der gesamte Vorstand involviert

Lesen und Vorlesen, Zuhören und Zuschauen, vor allen Dingen jedoch: angeregt durch das Gehörte und Gesehene selbst gestalten, das ist das Ziel von Pinocchinello – Fest des Kinderbuches ¬– in Schwalenberg. Ausgangspunkt jeder Aktion ist die Buchillustration, das Bilderbuchkino, der Comic, die klassische Illustration, die Mini-Druckmanufaktur, die Kamishibai-Vorführung, die Trickmisch-Poesie-Werkstatt. Die Künstler malen, zeichnen, laborieren und erzählen dazu, dann beginnt die gemeinsame Aktion der Kinder in den parallel laufenden Werkstätten.
An sechs bis acht verschiedenen Plätzen in Schwalenberg: Künstlerhaus, Werkhaus, Galerie, Atelier, auf dem Marktplatz, im Garten, vielleicht auch in einem leerstehenden Haus findet das Kinderbuch-Fest statt. Die Werkstätten dauern in der Regel 1 Stunde, so daß die Kinder auch noch eine zweite besuchen können. Bei unserem Pinocchinello – Fest des Kinderbuchs können die Kinder im Alter von 3 bis 10 Jahren (und ihre Eltern) die faszinierende Erfahrung machen, daß aus Bildern und aus Buchstaben eine ganze Welt erwachsen kann.

Gefördert von Osthushenrich-Stiftung, Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Gespräche mit weiteren Partnern und Unterstützern werden derzeit geführt.
Weitere Förderer sind willkommen.

Stand 14. April 2021

Via Nova Kunstfest Corvey
Wild. Wald. Welt.

4. 9. 2020 – 4. 10. 2020

Das VIA NOVA KUNSTFEST CORVEY vermittelt auf künstlerische, sinnlich-komplexe und dabei einzigartige Weise den universellen Wert dieser Welterbestätte. Das Kunstfest 2020 wird – ausgehend von der in Corvey vorhandenen, später gestohlenen Handschrift der Annalen des Tacitus – ‹Wild. Wald. Welt› zum Thema haben. Das Bild der Deutschen und ihres Waldes steht in den Veranstaltungen an drei Wochenden von September bis Oktober im Mittelpunkt. Der Wald ruft uns zum Nachdenken über unser Verhältnis zu Natur und Kultur auf. Wer in den Wald geht, betritt eine andere Welt und verwandelt sich. Angst und Sehnsucht, Schauder und Glücksgefühle gehören dazu. Die Natur ist eine Kulturaufgabe. International renommierte Künstler aus der Literatur, Musik, Schauspiel, Puppenspiel, Tanz und Performancekunst sowie Wissenschaftler und Praktiker schlagen einen Bogen von historischen Texten zur Romantik über die Aufklärung in die Gegenwart. Lesungen, Gespräche, Inszenierungen und Konzerte von Alter Musik, Klassik über Neue Musik bis zu traditionellen Musiken und Jazz machen den Geist von Corvey lebendig.


Europäisches Laboratorium e.V.

Am 1. November 2019 hat sich in Schwalenberg der Verein ‹Europäisches Laboratorium› gegründet. Der Verein möchte an der literarischen Tradition in Schwalenberg anknüpfen und sie weiterentwickeln. Wie bei den Tagen der Lesenden Künste wird das Europäische Laboratorium Begegnungen schaffen, bei denen Leser mit Schriftstellern, Künstlern und Wissenschaftlern ausgehend von einem Sprachwerk in einen Dialog über das europäische Alphabet der Wünsche, Bedürftigkeiten und Versäumnisse treten. Europäisch sein bedeutet Verantwortung zu übernehmen, europäisch ‹ist die alte Vorstellung der aufgeklärten Philosophen von Einheit und Toleranz innerhalb der Unterschiede› (Héctor Abad). Europäisch ist schon jetzt der Vorstand und der sich noch erweiternde Beirat. Der Vorstand wird von den Studierenden Anna Eble (Amsterdam), Maria Schubarth (Jena), Helmut Ege (Wien) sowie Annegret Kulms und Brigitte Labs-Ehlert (beide Schwalenberg) gebildet. Dem Beirat gehören die SchriftstellerInnen und ÜbersetzerInnen Peter Waterhouse (Wien), Esther Kinsky (Udine), Marica Bodrožić (Dalmatien, jetzt Berlin), Durs Grünbein (Rom/Berlin), die SchauspielerInnen Barbara Nüsse, Corinna Harfouch, Sebastian Rudolph (Zürich), die Literaturkritikerin Cornelia Jentzsch und der Philosoph Manfred Bauschulte an. Zur Gründung erhielt das Europäische Laboratorium als Schenkung eine Bibliothek mit 10.000 ausgewählten Philosophie- und Poesie-Büchern.

Die Lust am Lesen und am Buch möchte das Europäische Laboratorium auch bei Kindern wecken und fördern. Kinder werden zu Lesetagen eingeladen, bei denen ihnen vorgelesen und vorgespielt wird, auch wird es für sie Tage des Buchgestaltens geben, und für 2021 ist ein Kinderbuchfestival geplant.

Lesende Künste

Die letzten Tage der Menschheit

Die Tage der Lesenden Künste werden vom 25. bis 29. Nov. 2020 in Schwalenberg stattfinden. Im Mittelpunkt steht die Realsatire ‹Die letzten Tage der Menschheit›, mit der Karl Kraus auf die Katastrophe des Ersten Weltkrieges antwortete, mit dem die Welt neu geordnet wurde und deren Neuordnung bis heute weitere Konflikte mit sich bringt. Auszüge aus dem Versailler Vertrag werden mit Beispielen aus dem Westfälischen Frieden verglichen und als literarische Zeugnisse gelesen. Mit Peter Waterhouse, Schriftsteller, Hans Kremer, Schauspieler, Michael Riessler, Komponist und Musiker.

Teilnehmergebühr inkl. Verpflegung 200 €
in D – 32816 Schwalenberg in verschiedenen Fachwerkhäusern der Stadt
Exkursionen zum Kloster Falkenhagen und zum Schloß Wendlinghausen
Beginn am 25. 11. 2020, 18.00 Uhr
Ende am 29. 11. 2020, 15.00 Uhr

Wer die Teilnehmergebühr und die Unterbringungskosten wegen Ausbildungs- und Übergangszeiten nicht aufbringen kann, für den besteht die Möglichkeit, ein Stipendium zu beantragen, das die Teilnehmer- und Aufenthaltskosten (Übernachtung im Gilde-Haus) deckt. Bewerbung mit einseitigem Motivationsschreiben und Lebenslauf bis 15. Oktober 2020 an Brigitte Labs-Ehlert: eu.lab@icloud.com

Anmeldung und Buchung bis zum 15. Oktober 2020 unter eu.lab@icloud.com
Europäisches Laboratorium e.V. Schwalenberg,
Kontakt 05284 94 39 473

Eine apokalyptische Theatervision hatte Kraus vor Augen, als er sein Monumentalwerk verfaßte. 800 Druckseiten umfaßt das Original, das nie für das Theater geschrieben war. Karl Kraus bewegten Zorn und Ekel über die Kriegsmaschinerie. Zum ersten Mal verrieten sich Journalisten durch ihren Sprachgebrauch als Werkzeuge der Propaganda. Das Werk zeichnet in fünf Akten – jeder Akt steht für ein Kriegsjahr – Hunderte von Szenen und mit einem enormen Personenaufwand die Tragödie der Menschheit im Ersten Weltkrieg nach. Am Schluß der Kriegschronik wird die Menschheit von Marsbewohnern durch einen zerstörerischen Regen vernichtet.

Sich mit dieser Collage, einem Flechtwerk aus Dialekten, Dialogen, Monologen, Bühnenanweisungen, aus Gedichten und Gesängen, zu beschäftigen heißt, sich mit der öffentlichen Sprache auseinanderzusetzen. Wie verhalten sich Sprache und Wirklichkeit zueinander, wo sind verbale Unsicherheiten, wo dominiert die Lüge und Phrase. Wo und wie wird die Sprache in Kriegszeiten demoliert, wo und wie drückt sich das Gewalttätigsein der Sprache aus: in der Phrase?

Elias Canetti gibt einen Hinweis, wenn er betont, daß bei Karl Kraus die Sprache eine Raserei ist und der Schrecken eines jeden Krieges im Wort zu finden ist: ‹Es gibt zwei Arten, die Letzten Tage der Menschheit zu lesen: einmal als die peinigende Einleitung zu den wirklich letzten Tagen, die uns bevorstehen; dann aber auch als ein Gesamtbild dessen, was wir von uns abtun müssen, wenn es nicht zu diesen wirklich letzten Tagen kommen soll. Am besten wäre es, man fände die Kraft, dieses Werk zu verschiedenen Gelegenheiten verschieden, nämlich auf beide Weisen zu erleben.›

Karl Kraus‘ Werk kollektiv zu lesen, stellt genau diese von Canetti angesprochenen verschiedenen Gelegenheiten dar. Sein Werk fragt nach der Verantwortlichkeit, nach der Wörtlichkeit; Kraus weist nach, was wirklich gesagt wurde, denn über ein Drittel des Textes ist aus Zitaten montiert: ‹Die unwahrscheinlichsten Gespräche, die hier geführt werden, sind wörtlich gesprochen worden; die grellsten Erfindungen sind Zitate.› Nachdem Kraus angesichts des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges und der Kriegs-Hysterie sich zunächst Schweigen auferlegte: ‹Wer etwas zu sagen hat, trete hervor und schweige!›, wird er von dem ihm liebsten Menschen Sidonie von Nádhény aufgefordert zu reden. ‹Aus dieser Erschöpfung nun ist noch ein Funke entsprungen, und es entstand der Plan zu einem Werk, das … gleichbedeutend wäre mit Preisgabe. Gleichwohl und eben deshalb muß es zu Ende geschrieben werden.› Wenn er es nicht hinausschreit, muß er daran ersticken. Statt Weghören, hört er die Stimmen, die es gab. Die Poesie ist aufgerufen, auf die historische Situation zu reagieren.